Welche Gründe gibt es, wenn keine Schwangerschaft
eintritt?
Es gibt
sehr viele unterschiedliche Ursachen, die dazu führen
dass es "nicht klappt". Die Ursachen können
bei der Frau und beim Mann liegen. Statistisch verteilen
sich je 30 bis 40 % in gleichem Maß auf Mann und Frau.
Bei 15 bis 30 % bestehen bei beiden Partnern Gründe
für die vorliegende Kinderlosigkeit. Dazu kommt ein
Anteil von ca. 5 bis 10 %, wo sich trotz intensiver diagnostischer
Abklärung kein Grund findet. Man spricht dann von einer
idiopathischen Sterilität. Die Suche der Ursache für
die Kinderlosigkeit ist also immer eine Paarbehandlung.
Ist die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft
nach einem stimulierten Zyklus erhöht?
Aufgrund
der Tatsache, daß bei einem stimulierten Zyklus mehrere
Eibläschen zur Reife gelangen können, ist die
Wahrscheinlichkeit einer Mehrlings- schwangerschaft gegenüber
den natürlichen Verhältnissen erhöht.
Ist das Fehlbildungsrisiko nach IVF bzw. ICSI geborenen
Kindern größer als das nach spontaner Konzeption
geborener Kinder?
Einzeluntersuchungen
weisen darauf hin, dass es bei Behandlungen der assistierten
Fortpflanzungsmedizin nur zu einem gering erhöhten
Auftreten von Fehlbildungen kommt. Zum größten
Teil beruht dies auf einem etwas erhöhten genetischen
Hintergrundrisiko der betroffenen Paare mit unerfülltem
Kinderwunsch. Während es bei einer von fünfzehn
spontan entstandenen Schwangerschaften (d.h. im Normalkollektiv)
zu einer Fehlbildung kommt, erhöht sich dieser Anteil
etwa auf eine von zwölf.
Wie hoch ist die klinische Schwangerschaftsrate
nach Inseminationen?
Die durchschnittliche
Schwangerschaftsrate nach Inseminationen liegt bei etwa
15 -25%.
Was
zahlen die gesetzlichen Krankenkassen?
Für
gesetzlich versicherte, miteinander verheiratete Paare
gelten mit dem GMG ab 1. Januar 2004 neue Kostenregelungen
durch die Krankenkassen.
Danach müssen alle Behandlungskosten zur Hälfte
von den Versicherten getragen werden!
Die Anzahl der Behandlungen (Insemination im stimulierten
Behandlungszyklus, In-vitro-Fertilisation (IVF) und Intrazytoplasmatische
Spermieninjektion (ICSI) wird auf drei Zyklen begrenzt;
eine Ausnahmeregelung für darüber hinausgehende
Zyklen gibt es nicht mehr.
Ohne Möglichkeit einer Ausnahmeregelung ist auch
festgelegt, daß beide Partner das 25. Lebensjahr
vollendet haben müssen. Frauen, die das 40.
Lebensjahr vollendet haben sowie Männer, die das
50. Lebensjahr vollendet haben, haben keinen Anspruch
auf eine von den gesetzlichen Krankenkassen (teil-)bezahlte
Behandlung.
Was zahlen die privaten Krankenkassen?
Privat versicherte
Paare haben Anspruch auf Kostenerstattung für 3 bis
4 Behandlungszyklen. Hierbei unterscheiden die meisten Versicherer
nach einem sogenannten Verursacher-Prinzip; d.h., daß
der Kostenträger desjenigen Partners zuständig
ist, bei dem die Ursache für die Kinderlosigkeit liegt.
Kann ich vermeiden, dass mein Arbeitgeber von der
Therapie erfährt?
Viele Frauen
möchten nicht, dass die Kinderwunschtherapie bekannt
wird. Die von uns ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
für den Arbeitgeber enthält keine Diagnosen jedoch
unseren Stempel ohne Hinweise auf unsere Spezialisierung
als Kinderwunschzentrum. Einige Frauen lassen sich deswegen
z.B. vom Hausarzt eine neue Bescheinigung ausstellen.
Die Ultraschalluntersuchungen können Sie in dringenden
Fällen auch außerhalb Ihrer Arbeitszeit durchführen
lassen. Sprechen Sie darüber mit uns.
Hat das Körpergewicht der Frau Einfluss auf
Fruchtbarkeit und Erfolg der Behandlung des Paares?
Das Körpergewicht
hat entscheidenden Einfluss. Bei ausgeprägtem Untergewicht
kann es zu hormonellen Störungen kommen. Typisch ist
dann, dass lange Phasen ohne Monatsblutungen und Eisprung
ablaufen. Bei deutlichem Übergewicht werden häufig
zu viele männliche Hormone gebildet. Diese werden im
Körper der Frau in Östrogene umgewandelt und stören
den Ablauf eines normalen Zyklus. Auch hier kann es häufig
passieren, dass kein Eisprung stattfindet. Je nach Ausmaß
des Übergewichtes kommt es nach erfolgreichem Eintritt
einer Schwangerschaft häufiger zu Komplikationen (z.
B. Gestationsdiabetes, Bluthochdruck, kindliche Makrosomie
mit Anpassungsstörungen nach der Geburt. Auch können
vermehrt Probleme bei der Geburt entstehen (die Überwachung
des Fetus ist erschwert, erhöhte Komplikationsrate
bei Kaiserschnittgeburten). Außerdem steigt das Risiko
für Fehlgeburten deutlich an.
Eine Gewichtsregulierung kann zu einer Normalisierung der
Hormonstörung beitragen.
Was kann man tun, wenn ein Eileiterverschluss vorliegt?
Es gibt
zwei Behandlungsmöglichkeiten: Man kann durch eine
(mikro- chirurgische) Operation versuchen, den Eileiter
zu reparieren. Der Erfolg dieser Maßnahme hängt
vom Ausmaß und der Lage des Eileiterschadens ebenso
ab wie von der Erfahrung des Chirurgen. Die andere Möglichkeit
ist, mit Maßnahmen der künstlichen Befruchtung
eine Schwangerschaft zu erzielen. Welcher Weg versucht wird,
ist von verschiedenen Faktoren abhängig (z. B. Alter
der Patientin, Ausmaß der Schädigung, zusätzliche
andere Faktoren für die Kinderlosigkeit). Generell
wird dem Paar die Methode empfohlen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit
zum Erfolg führt.
Schadet Rauchen der Fruchtbarkeit?
Diese Frage
ist eindeutig mit „Ja“ zu beantworten. Regelmäßiges
Rauchen ist bei Frauen und Männern schädlich.
Frauen, die mehr als zehn Zigaretten pro Tag rauchen, haben
deutlich häufiger Fehlgeburten als Nichtraucherinnen.
Außerdem ist der Gebärmutterhalsschleim verändert
und stört das Eindringen von Samenfäden in die
Gebärmutter. Dadurch kommt es seltener zum Eintritt
einer Schwangerschaft. Nach Eintritt einer Schwangerschaft
wird durch das Rauchen die Sauerstoffversorgung des Kindes
erheblich verschlechtert. Durch Mangelversorgung kommt es
häufiger zu Wachstumsverzögerungen bei den Kindern.
Bei Männern wird die Samenqualität negativ beeinflusst:
Die Zahl der Spermien nimmt ab, und auch die Beweglichkeit
wird vermindert. Es lohnt sich, auf das Rauchen zu verzichten!
Wie häufig sind Fehlgeburten?
Fehlgeburten
sind häufig. Wenn durch eine Ultraschalluntersuchung
eine Schwangerschaft festgestellt wurde, beträgt das
Risiko für eine spontane Fehlgeburt ca. 15 %. Sehr
frühe Fehlgeburten sind noch häufiger. Oft weiß
eine Frau dann gar nicht, dass sie schwanger ist. Mit zunehmender
Schwangerschaftsdauer sinkt das Risiko für eine Fehlgeburt.
Ein wichtiger Einflussfaktor ist das Alter der Frau. Mit
zunehmendem Alter steigt es deutlich an. Mehr als die Hälfte
der Fehlgeburten ist genetisch bedingt, d. h. meistens liegen
Chromosomenfehlverteilungen vor. Bei mehrmaligen vorangegangenen
Fehlgeburten steigt das Risiko ebenfalls deutlich an.
Welche Untersuchungen beim Mann werden durchgeführt?
Der erste
Schritt ist immer ein ausführliches Gespräch,
bei dem herausgefunden werden soll, ob es in der Vergangenheit
bestimmte Erkrankungen gegeben hat, die eventuell die
Spermienqualität beeinflussen können (z. B.
Mumps, Hodenhochstand, Hodentumor). Beim Urologen erfolgt
eine körperliche Untersuchung (Beurteilung der Größe,
Konsistenz und Lage der Hoden, der Nebenhoden und der
Brust), bei der unter anderem auch ein Ultraschall des
Hodens durchgeführt wird, um das Vorliegen eines
Tumors oder von Krampfadern festzustellen.
Durch eine Hormonanalyse kann festgestellt werden, ob
eine mögliche Störung hormonell bedingt ist
und ggf. auch mit Medikamenten behandelt werden kann.
Außerdem werden im Abstand von mindestens 12 Wochen
zwei Samenanalysen durchgeführt. Dabei wird neben
der Zahl der Spermien die Beweglichkeit und die Spermienform
beurteilt, um im Anschluss eine entsprechende Therapie
festlegen zu können. Die Spermienprobe wird durch
Masturbation nach einer drei- bis fünftägigen
sexuellen Enthaltsamkeit gewonnen. Bei sehr auffälligen
Spermiogrammbefunden (z. B. bei sehr stark eingeschränkter
Spermienzahl oder dem Fehlen von Spermien in der abgegebenen
Probe) können sich eine Chromosomenanalyse oder molekulargenetische
Untersuchungen anschließen.
Wie ist der typische Ablauf für das Paar,
wenn die Entscheidung für IVF oder ICSI gefallen
ist?
Im Gespräch
mit dem behandelnden Arzt werden alle noch offenen Fragen
beantwortet. Im Anschluss wird ein Behandlungsplan zur
Vorlage bei der Krankenkasse erstellt. Nach der vorliegenden
schriftlichen Genehmigung durch die Krankenkasse wird
der Stimulationsplan erstellt und erklärt. Die Patientin
behält immer das Original dieses Plans, eine Kopie
bleibt in unserer Akte. Telefonische Rücksprachen
werden so wesentlich erleichtert. Im sogenannten „Vorbereitungszyklus“
bekommt die Patientin nicht selten eine Pille verordnet,
um bei unregelmäßigem Zyklus den Behandlungbeginn
zu optimieren. Etwa eine Woche vor der Regelblutung beginnt
im häufig angewandten sogenannten „long protocol“
die „Down-Regulation“ (siehe dort). Danach
beginnt die eigentliche Stimulationsbehandlung. Die Patientin
injiziert sich selbst jeden Tag ein bestimmtes Präparat
(Hormonspritze). In den meisten Fällen erfolgt nach
8 bis 12 Tagen erstmalig eine Ultraschallkontrolle, um
die Reaktion des Eierstockes auf die Behandlung zu überprüfen.
Meist erfolgt parallel eine Blutentnahme zur Überprüfung
bestimmter Hormonwerte.
In Abhängigkeit davon erfolgt die weitere Therapiefestlegung
und weitere Ultraschallkontrollen. Wenn die Eibläschen
entsprechend herangereift sind, wird mittels einer bestimmten
Spritze (HCG) der Eisprung ausgelöst. Etwa 34 Stunden
nach der Injektion erfolgt die Eizellentnahme. Diese erfolgt
in einer kurzen Vollnarkose. Nach ca. zwei bis drei Stunden
kann die Patientin vom Partner abgeholt werden. Am Tag
der Eizellentnahme muß der Partner mit in die Praxis
kommen, weil seine Spermien für die Befruchtung notwendig
sind. Zwei bis drei Tage später werden die Embryonen
in die Gebärmutter gegeben. Dieser Eingriff dauert
nur wenige Minuten, erfolgt ambulant in der Praxis und
erfordert keine Narkose. Im Anschluss werden weiter Medikamente
verordnet, die die Einnistung des Embryos unterstützen.
Nach zwei Wochen erfolgt dann eine weitere Blutuntersuchung,
um das Vorliegen einer Schwangerschaft zu testen.
Was versteht man unter Kryokonservierung?
Allgemein
spricht man von einer Kryokonservierung, wenn biologisches
Material eingefroren wird.
Beim Mann können Spermien eingefroren werden, wenn
er am Tag der Eizellgewinnung nicht anwesend sein kann oder
aus anderen Gründen keine Spermien abgeben kann. Auf
eingefrorene Proben greift man auch dann zurück, wenn
bei dem Mann eine Entnahme von Hodengewebe erfolgte oder
wenn vor einer Chemotherapie oder Bestrahlung Spermien kryokonserviert
wurden.
Nach der Stimulation können zum Teil deutlich mehr
Eizellen gewonnen werden, als für die Rückübertragung
in die Gebärmutter benötigt werden. Diese kann
man nach der Behandlung mit den Spermien des Partners im
sogenannten "Vorkernstadium" einfrieren.